Mustafa Ashrati und Dr. Kilian Bälz referieren über das Potenzial von Islamic Banking auf dem deutschen Markt für Finanzdienstleistungen
Der am Fachbereich 3 studierende Mustafa Ashrati hat sich diesem Thema im Rahmen seiner Diplomarbeit gewidmet und sich neben der Vorstellung des Islamic Banking und einer Übersicht über Islamkonforme Bankdienstleistungen insbesondere der Fragestellung angenommen, ob der deutsche Markt reif für den Markteintritt des Islamic Banking ist. Die Erkenntnisse und Erfahrungen, die Herr Ashrati im Zuge seiner Diplomarbeit u.a. mit der Islamic Bank of Britain in London gesammelt hat, wurden in der Ende Oktober stattgefundenen Islamic Banking Conference einem interessierten Publikum an der Fachhochschule Frankfurt vorgestellt. Ergänzt wurde der Vortrag von Diplomand Mustafa Ashrati durch Herrn Dr. Kilian Bälz, der als Gastreferent die Veranstaltung mit seinen Ausführungen aus der Praxis bereicherte.
Fritz Fabian Fischer von econ:ffm eröffnete die Veranstaltung mit einem Grußwort. Anschließend widmete sich Herr Ashrati der Vorstellung des Islamic Banking sowie der Beschreibung einer Sharia konformen Dienstleistungspalette. Nach islamischem Recht sind Zinszahlungen nicht erlaubt. Darüber hinaus gibt es noch einige Vorgaben der Sharia für Investitionen. Bedenkt man, dass es sich dabei um die entscheidenden Ausstattungsmerkmale für sämtliche Anlage- und Kreditprodukte der Banken handelt, stellt sich die Frage, wie ein islam-konformes Banking überhaupt möglich ist.
Tatsächlich untersagt das islamische Recht nicht das Bankensystem, in dem die Banken für die Vergabe für Kredite und für das damit verbundene Risiko entsprechend entschädigt werden. Die Produkte müssen lediglich alternativ ausgestaltet werden. Anstelle von Zinsen treten folglich Gewinnbeteiligung und statt der Vergabe von Krediten wird die Bank zum Miteigentümer. Die Islam konforme Ausgestaltung der Produkte bringt letztendlich sowohl Bank wie auch den Kunden die gleichen Vorteile, die auch das herkömmliche Bankensystem mit sich bringt. Unterschiede gibt es in der rechtlichen Ausgestaltung und darüber hinaus in der Bilanzierung.
In Großbritannien hat sich bereits ein Markt für Islamic Banking gebildet, die Islamic Bank of Britain sowie die Lloyds TSB haben Islam konforme Produkte in das Angebot aufgenommen und diese auch bei der Zielgruppe mit entsprechenden Marketing bekannt gemacht. Die HSBC Gruppe hat sogar eine eigene Tochter gegründet, die HSBC Amanah. Auch deutsche Institute wie die Deutsche Bank haben sich dem Thema Islamic Bankin gewidmet und entsprechende Produkte kreiert – allerdings bisher noch nicht für den deutschen Markt, sondern im arabischen Ausland.
Die über 100 Teilnehmer der Islamic Banking Conference lauschten daher interessiert den Ausführungen von Herrn Ashrati, ob der deutsche Markt bereit sei für den Markteintritt des Islamic Banking. Hierzu lässt sich festhalten, dass die Voraussetzungen in Deutschland auf der Seite der Zielgruppen optimal sind, da in Deutschland 3,5 Mio Muslime wohnhaft sind und diese gerade in der zweiten und dritten Generation über steigende finanzielle Mittel verfügen. Darüber hinaus verringert sich der Anteil von Kapitalabflüssen in Richtung der Heimatländer, der insbesondere in den ersten Jahrzehnten nach dem Zuzug von zahlreichen Gastarbeitern Hochkonjunktur hatte. Mit größerem finanziellem Spielraum ist auch der Bedarf nach Anlagemöglichkeiten immer mehr gegeben. Somit ist eine geeignete Zielgruppe für das Islamic Banking in Deutschland vorhanden.
Hindernisse offenbaren sich hingegen in der Ausgestaltung der Produkte. Der deutsche Gesetzgeber ist auf Sharia konforme Produkte bisher nicht vorbereitet. Für die Zulassung beispielsweise eines Fonds müssen die Richtlinien des Investmentfondsgesetzes eingehalten werden. Diese sind durchaus umfangreich, aber nur bedingt kompatibel für einen Fonds mit islamischer Zielgruppe. Ein weiteres Problem stellt die Zertifizierung des Produktes durch ein anerkanntes Sharia-Board da. Hierzu bedarf es mehrerer sogenannter Sharia Scholars – dies sind islamische Gelehrte, die in der islamischen Welt anerkannt sind, und die mit Zertifizierung eines Produktes als Sharia konform beauftragt werden. Ein solches Sharia Board bzw. eine entsprechende Institution ist in Deutschland nicht vorhanden, wird jedoch dringend benötigt, um die Einführung des Islamic Bankings voranzutreiben. Daher betonten die Referenten Herr Ashrati und Herr Dr. Bälz die Bedeutung einer Sharia School in Deutschland und appellieren an islamische Interessensverbände, hierfür ihren Einfluss gezielt geltend zu machen.
Nach den Ausführungen von Herrn Ashrati und Herrn Dr. Bälz folgte eine intensive Diskussion, an der sich alle Teilnehmer mit vielen Fragen beteiligten. Da während der Diskussionsrunde längst nicht alle Fragen behandelt werden konnten, bestand im Anschluss an die Veranstaltung die Möglichkeit, bei einem mit afghanischen Spezialitäten bestückten Buffet, den direkten Austausch mit anderen Teilnehmern und den Referenten zu suchen. Ein besonderer Dank geht an dieser Stelle auch den betreuenden Professor des Themas, Herrn Prof. Dr. Johannes Schulz-Spathelf, der mit seinen Anregungen viele Impulse gesetzt hat.
Für alle Interessierten, die sich mit dem Thema weiter beschäftigten möchten, erscheint Anfang 2008 im Frankfurt-School Verlag das Buch zur Islamic Banking Conference „Islamic Banking Wertevorstellung-Finanzprodukte-Potenzial“ von Mustafa Ashrati.